Teil 2: Über Aufbauarbeit nach der Wende, Kosten und Nutzen des Mehrzweckgebäudes sowie die Gestaltung der Tourismuszentrale als Anstalt des öffentlichen Rechts

Dorfzeitung: Dann sind wir bei unserem zweiten Schwerpunkt, dem Bau der Tourismuszentrale…

Herr Groth: … dem Bau des Mehrzweckgebäudes.… Der Tourismusteil ist der geringste Teil dieses Gebäudes, wenn ich mich nicht irre, 27 Prozent. Das heißt also: 70 Prozent sind in der Öffentlichkeit. Und das Tourismusbüro ist ja auch öffentlich; da gehen auch die Bürger hin und holen sich Anregungen, fragen oder beschweren sich.

Dorfzeitung: Und wer wird da die Veranstaltungen anbieten? Die Tourismuszentrale?

Herr Groth: Das ist doch zweierlei.

Einmal haben wir einen Tourismusverein gegründet, der heißt jetzt Anstalt des öffentlichen Rechts. Das war ein Gedanke, der schon 2014 oder 2016 gewachsen ist: Im touristischen Bereich für alle drei Gemeinden etwas zu machen. Der Hintergedanken war, dass wir in der Gemeinde ein paar zusätzliche Veranstaltungen brauchen, um die Gemeinde wieder bekannter zu machen und sie für Einheimische und auch Urlauber ein bisschen attraktiver zu gestalteten. Das ist uns gelungen, einmal durch den Handwerkermarkt, der schon fünf, sechs Mal hier gewesen ist, dann natürlich auch durch die Veranstaltungen der Boddenkonzerte, die in jeder Gemeinde dienstags, mittwochs und donnerstags durchgeführt werden.

Dann gibt es die normalen Veranstaltungen, die schon über Jahrzehnte laufen. Es gab ein paar Eltern, die das Kinderfest 1990 wieder haben aufleben lassen. Wir sind hier mit dem Spielmannszug durchs Dorf gelaufen, haben Riesenveranstaltungen gemacht – Frau Bauer mit Ehepartner, Familie Tetz, Familie Stehr, Familie Rüttert und die Eheleute Groth. Wir haben das Kinderfest unter schwierigen Bedingungen wieder in das Leben gerufen. Wir hatten nichts hier. Ich bin nach Marlow gefahren und habe dort die Absperrsachen geholt, dass wir das überhaupt durchführen konnten. Und so sind wir wieder gewachsen. Gott sei Dank haben sich immer wieder welche gefunden, die das weitergeführt haben. Aber man sollte auch mal daran denken, wer das alles aufgebaut hat. Da haben zwischen 1994 bis 2004 die älteren Leute Verantwortung übernommen: Eckart Will, Bruno Jasper, Frau Stange von Gutglück, Frau und Herr Vetter aus Michaelsdorf oder Herr Bossow. Also es waren immer welche dabei, die unterstützt haben. Und das muss auch mal anerkannt und benannt werden.

Wir haben die Chronik ins Leben gerufen. Wer hat daran gedacht, für die Gemeinde eine Chronik erstellen zu lassen? Komischerweise der damalige Bürgermeister …Und so ist langsam alles gewachsen. Da war Sabine Bollnow, die wohnt hier und hat das sehr exakt gemacht, ist überall hingefahren, hat recherchiert und hat die Chronik aufgebaut. Alles das sollte man auch mal ein bisschen darstellen. Denn das sind die Leute, die die Gemeinde ins Laufen gebracht haben. Das muss ich einfach mal loswerden.

Dorfzeitung: Ja, das ist wichtig. Das sind viele Lebensleistungen, die gewürdigt werden sollen. Kommen wir zurück zum geplanten Mehrzweckgebäude. Sie haben ausgeführt, dass es aufgrund des Kostendrucks möglicherweise Modifizierungen des Plans geben muss. Daher die Fragen: Wie kann das Gebäude unter diesem Kostendruck entwickelt werden? Wird das Projekt noch einmal jenseits der Coronaepidemie öffentlich in der Gemeinde zur Diskussion vorgestellt?

Herr Groth: Das kann ich nicht sagen, dafür bin ich nicht zuständig. Ich kann es mir aber nicht vorstellen. Denn: Es ist ein Raumprogramm erarbeitet worden und fördermäßig bestätigt. Das lässt sich nicht mehr ändern, das ist heutzutage so. Die Förderung wird zugesagt auf das, was man geplant hat und was in dem damaligen Antragsformular steht. Alles, was danach kommt, kann in einem kleinen Spielraum nochmal verändert werden, aber das Große und Ganze nicht mehr.

Dorfzeitung: Sie sagten, die Förderung betrug damals 95 Prozent. Wie hoch ist sie jetzt?

Herr Groth: … keine Information…

Dorfzeitung: Wer trägt welche Kosten?

Herr Groth: Der Standort des Mehrzweckgebäudes ist in der Gemeinde Fuhlendorf und die Gemeinde Fuhlendorf ist Bauherr. Keine andere Gemeinde kann auf das Grundstück oder auf das Gebäude zurückgreifen. Bei der Unterhaltung ist es natürlich so, dass der touristische Bereich in der Unterhaltung aller drei Gemeinden liegt. Zu den Kosten kann ich Ihnen zur jetzigen Zeit nichts sagen. In der damaligen Zeit waren das bei ca. drei Millionen zu 95% Förderung 150.000€ für die Gemeinde – lächerlich. Auch wenn es 300.000€ gewesen wären – auch noch lächerlich. Das kann eine Kommune stucken. Und über die Betreibung muss sich das über die Jahre hinweg dann rechnen, d.h. über die Abschreibungszeit von 50 bis 80 Jahren. Das heißt, es wäre auch für die Vereine oder Dritte, die das nutzen, nicht umsonst. Das ist allgemein üblich, dass man für eine Stunde ein paar Euro bezahlen muss für Veranstaltungen, die nicht durch die Gemeinde durchgeführt werden. Wenn natürlich die Gemeinde Veranstaltungen durchführt, dann muss man reden, wie man das finanziert. Denn letztlich muss die Gemeinde das Ganze finanzieren.

Dorfzeitung: Wer soll dann diese Veranstaltungen, kulturelle Veranstaltungen anbieten?

Herr Groth: Ja, der Tourismusverein und Sie als Kulturverein Fuhlendorf vielleicht.

Dorfzeitung: Haben Sie denn – allgemeiner – mit den Vereinen darüber gesprochen, welche Vorstellungen, Wünsche die Vereine haben, um Veranstaltungen in dem Mehrzweckgebäude stattfinden zu lassen?

Herr Groth: Selbstverständlich.

Dorfzeitung: Dann kann ich nur zurückspiegeln: Wir wurden als Kulturverein K-Drei e.V. nicht gefragt.

Herr Groth: Nein. Sie waren zu dem Zeitpunkt, als wir das angefangen haben, noch nicht mit K-Drei e.V. da. Wir haben das erste Mal gesprochen, als es um das alte Sommerkino in Bodstedt ging. Aber mit dem Sportverein und mit dem Kindergarten und allen, die daran interessiert waren, habe ich sogar mehrere Veranstaltungen durchgeführt. Und noch einmal, der Bürgermeister hat genauso wie jeder Gemeindevertreter eine einzige Stimme. Und wenn ein Beschluss gefasst wird, dann kann er nur mehrheitlich gefasst werden. Der Bürgermeister hat ja nicht mehrere Stimmen. Dann haben wir uns irgendwann entschieden, wir machen das, wir lassen den B-Plan erstellen. Hier geht es um eine Entwicklung bei dem Mehrzweckgebäude, von der wird die Gemeinde noch 30 Jahre lang und länger profitieren. Davon bin ich fest überzeugt.

Dorfzeitung: Das ist auch ein Zitat aus Ihrem Interview in unserer Dorfzeitung zur letzten Wahl. Können Sie bitte ausführen, was das genau heißt, dass das Mehrzweckgebäude für alle drei Gemeinden mit einer ziemlich großen Entwicklung verbunden ist?

Herr Groth: Ja, der Mehrwert könnte doch dadurch entstehen, dass das Mehrzweckgebäude – und ich sage einfach mal die hintere Halle, die für kulturelle und sportliche Veranstaltung genutzt werden kann – schon Mehrwert bringt für unsere Kinder und den Kindergarten. Das war einer der ersten Gedanken, den wir hatten. Dann haben wir dieses kleine Sportlerheim, da kann man nicht sagen, dass das noch tragbar ist. Weiter können in die hintere Halle die Vereine mit ihren Veranstaltungen rein. Sie als K-Drei könnten dort auch kulturelle Veranstaltungen machen, Kino oder so etwas mit einer Leinwand – ist alles angedacht. Auch Urlauber können die Halle nutzen, z.B. für sportliche Aktivitäten, wie es in anderen Gemeinden auch ist. Größere Versammlungen sind dort möglich, Bürgerveranstaltungen. Zum Beispiel bräuchte die Zeesboot-Regatta dann nicht immer das teure Zelt kaufen. Das ist doch schon ein Mehrwert. Auch für Dorffeste wie das Kinderfest kann das alles genutzt werden. Die Organisation kann in vielen Fällen über den Tourismusverein durchgeführt werden. Deshalb haben wir ihn ja geschaffen, dass wir als Gemeinde entlastet werden. Das kann kein ehrenamtlicher Bürgermeister leisten, Veranstaltungen zu organisieren. Viele Sachen werden sich noch entwickeln, das kann man nicht alles vorher bis ins Detail planen.

Dorfzeitung: Zur Tourismuszentrale der südlichen Boddenküsten als Anstalt des öffentlichen Rechts: Wer bestimmt die grundlegende inhaltliche und finanzielle Ausrichtung dieser Anstalt?

Herr Groth: Das sind erst mal alle drei Gemeinden, die die finanzielle Ausstattung in Form der Bereitstellung von Räumlichkeiten und Personal tragen. Dann entwickelt sich aus den Einnahmen, die erzielt werden das, was man ausführen kann: kulturelle Veranstaltungen, Investitionen wie Bänke oder Papierkörbe… Es bestimmen die drei Bürgermeister, machen Vorschläge und sollten die eigentlich in den Gemeindevertretungen vorstellen, um eine Diskussion zu entfachen: Was können wir an Investitionen leisten, was ist wichtig an kulturellen Veranstaltungen, was muss instandgehalten werden? Zum Schluss wird das nach der jeweiligen Periode – meistens drei Jahre, wenn ich mich nicht irre -, abgerechnet. Darauf haben wir immer sehr viel Wert gelegt: Was ist für jede Gemeinde nach ihren Einnahmen möglich? Ist eine Gemeinde überhaupt in der Lage, z.B. die Personalkosten in der Höhe wie eine andere Gemeinde, die mehr Einnahmen hat, zu finanzieren? Nein? Dann haben wir uns auf einen Prozentsatz geeinigt. Wir haben gesagt: Die Gemeinde X hat nur Einnahmen von bspw. 20 Prozent, eine andere Gemeinde hat 45 Prozent und die andere hat 35 Prozent. Danach haben wir das umgelegt: Eine Gemeinde, die weniger Einnahmen hat, kann nicht den höheren Prozentsatz zahlen. Wir haben uns sehr viele Gedanken gemacht innerhalb dieser zehn Jahre, als wir das alles entwickelt haben.

Dorfzeitung: Haben die Bürger Einfluss auf die strategische Ausrichtung der Anstalt des öffentlichen Rechts?

Herr Groth: Der Bürger hat die Möglichkeit, wenigstens einmal im Monat oder sonst auch jeden Tag zur Gemeindevertretung hinzugehen und seine Anregung abzugeben, die dann sofort umgesetzt werden könnten. Jeder Bürger hat doch die Möglichkeit, zur Gemeindevertretersitzung zu kommen. Es wird ihm angeboten, zum Tourismusverein zu gehen, es werden Gespräche angeboten und es werden – wenn ich mich nicht irre – monatlich vom Tourismusverein Anschreiben an die Bürger, an die Vermieter gemacht. Und dass die Gemeindevertreter informiert werden, das ist Aufgabe des Bürgermeisters. Das habe ich noch nicht erlebt.

Dorfzeitung: Ich habe aber gefragt, ob der Verwaltungsrat selbst, also die drei Bürgermeister, Rechenschaft in den Gemeindevertretungssitzungen ablegen, ob die Bürger Fragen über die weitere strategische Ausrichtung der Tourismuszentrale stellen und Diskussionen stattfinden können.

Herr Groth: Das ist Aufgabe des Verwaltungsrates und des Bürgermeisters.

Fortsetzung folgt!