Die 61. Bodstedter Zeesbootregatta wird am 6.9.2025 im Alten Hafen traditionell um 13 Uhr gestartet. Wenn es der Wind erlaubt, setzen die Zeesboote ihre braunen Segel bereits am Morgen im Hafenbecken. Ein malerisches Bild ergibt sich, weil die Anzahl der Zeesboote meist so groß ist, dass sie im Päckchen nebeneinander liegen, wie es in der Seemannssprache heißt. Auf diese Art und Weise können über 50 Boote im Hafenbecken unterkommen. Die Mannschaften steigen dann über die anderen Boote in ihr eigenes. So füllt sich der Hafen mit braunen Segeln und die Fotografen haben ihre Freude an wunderschönen Fotomotiven.

Der Steuermann muss im Laufe des Vormittags entscheiden, welche Segel gesetzt werden sollen. Bei wenig Wind wird mit „Vollzeug gefahren“, das heißt von vorne gesehen mit Klüver-, Fock-, Groß- und Besansegel. Klüver und Fock werden als Vorsegel vor dem Mast gefahren. Das Besan-Segel wird am hinteren Mast angeschlagen. Dieser ist deutlich kleiner als der Großmast, an dem die anderen Segel hochgezogen werden. Bei leichtem Wind wird noch ein fünftes Segel gehisst, das die Fläche des Großsegels nach oben vergrößert. Es heißt Topsegel.
Die Klasseneinteilung erfolgt nach Rumpflänge, so gehören zur Großen Klasse Boote von 10.41 m bis 12 m, zur Mittleren Klasse von 9.61 – 10.40 m und zur Kleinen Klasse von 5.20m – 9.60 m. Alle Zeesboote müssen bestimmte Bau- und Vermessungsvorschriften erfüllen, bilden aber keine sogenannte Einheitsklasse, in der alle Merkmale des Bootes wie Segelfläche, Bootslänge, Rumpfform, Beschläge u.a. identisch sind. Die Zeesboote sind jedes für sich ein Unikat. Sie haben unterschiedliche Bauweisen, Rumpfformen, Segelflächen und Ausstattungen, so dass sie auch sehr unterschiedliche Eigenschaften haben.
Niemals würden Segler einer Einheitsklasse akzeptieren, dass ein Boot 20 qm mehr Segelfläche hat als das Konkurrenzboot bei einer Regatta. Das ist bei den Zeesbootregatten kein Thema. Die Segelmannschaften geben ihr Bestes, aber bestimmte Handikaps eines Bootes lassen sich durch noch so gute Segelkunst nicht ausgleichen. Man hat sich geeinigt, dass „das Dabeisein“ zählt.

Die Zeesboote kommen am Freitagnachmittag oder Samstagvormittag aus allen Richtungen über den Bodstedter Bodden. Eine große Zahl aus dem Westen über den Saaler Bodden aus Ribnitz, Dierhagen, Wustrow oder Althagen und aus dem Osten aus Zingst, Barth oder noch weiter aus Rügen, Stralsund oder Greifswald. Letztes Jahr zur 60. Zeesbootregatta waren es 48 Boote, was den Veranstalter, den Traditionshafenverein und seinen Vorsitzenden Nils Rammin besonders gefreut.
Die Bodstedter Regatta hat ihren Ursprung im Jahr 1964. Laut einer Erzählung fuhr der junge Bootsbaumeister Ekkehard Rammin in diesem Sommer mit seinem Motorrad um den Bodden und versuchte die Fischer für die Idee einer Regatta zu begeistern. Unter der Bedingung, dass er für eventuelle Schäden an ihren Booten aufkommt, konnte er tatsächlich acht Fischer zu einer Wettfahrt mit ihren Fischerbooten überreden. Bei kräftigem Nordwest mit Stärken von 5-7 Beaufort kam es dann prompt zu zwei Mastbrüchen, für die er, wie verabredet, aufkommen musste.
Auch in den Folgejahren wurde diese Regatta immer am Samstag des ersten Wochenendes im September ausgetragen. Im Laufe der Zeit gesellten sich immer mehr Zeesboote hinzu, die bereits in die Hände von Sportseglern übergegangen waren. Inzwischen ist die Veranstaltung aus der Region nicht mehr wegzudenken und ist als das Highlight der Regattasaison anzusehen.
Wie wir in der Dorfzeitung schon berichtet haben, gehört diese Regatta zusammen mit weiteren fünf, in Zingst, Wustrow, Dierhagen, Barth und Althagen zum Immateriellen Unesco-Weltkulturerbe. Die Reihenfolge beschreibt die zeitliche Anordnung der Regatten von Juni bis September. Sie sind in den malerischen Häfen der Boddendörfer inzwischen ein Ereignis und werden mit Handwerkermärkten, Musikveranstaltungen und neuerdings in Zingst mit der Aufnahme des Regattageschehens auf einer Großleinwand für die Zuschauer übertragen. Bisher war für die Zuschauer das Segelsetzen, die Ausfahrt und Einfahrt der Boote und die Siegerehrung zu beobachten. Mit dieser Neuerung kann der Segelinteressierte auch das eigentliche Geschehen auf dem Wasser, das Runden der Tonnen und die Kreuzschläge der Boote beobachten.
Bei der Bodstedter Regatta kann man meist sehr gut den Start über eine imaginäre Linie zwischen einer Boje und einem Startschiff, auf dem die Regattaleitung sitzt, beobachten. Die Kleine Klasse startet als erste ab 13 Uhr, dann folgt die mittlere und die große Klasse. Alle haben ein Zeitfenster, in dem sie die Startlinie zu überfahren haben, von da ab wird für jedes einzelne Zeesboot die Zeit genommen. Die Regattaleitung gibt vor, wie viele Runden um die drei von ihr ausgelegte Bojen zu fahren sind. Die Kleine Klasse hat meist weniger Runden zu fahren, als die beiden größeren mit mehr Segelfläche. Es wird auch festgelegt, ob der Dreieckskurs im Uhrzeigersinn oder gegen ihn gefahren wird. Das richtet sich nach der Windrichtung und wird üblicherweise so vorgegeben, dass die Zeesboote mit Wind von hinten, also raumschots oder vor dem Wind starten, anschließend einen Kreuzkurs gegen den Wind zu fahren haben und dann einen Vorwindkurs.

Wir wünschen allen Seglern Mast-und Schotbruch und allen Gästen unvergessliche Bilder bei der 61. Bodstedter Regatta !