Christian Arndt & Luca Helms: ehrenamtliche Arbeit in der Freiwilligen Feuerwehr Fuhlendorf
Wir stellen als Redaktion in der Reihe „Unsere Ehrenamtler“ Menschen in unserer Gemeinde vor, die sich für unser gutes Miteinander engagieren. In ihrer Freizeit schmieden sie Ideen, begeistern andere und setzen diese Ideen gemeinsam mit Tatkraft in ihrer Freizeit um. Sie sorgen für den sozialen Kitt in unserer Gemeinde, für ein sich Wohl-Fühlen etwa als Geborgenheit, Zuhören, Helfen oder auch Feiern. Genau dafür gebührt den ehrenamtlich Arbeitenden Dank.
Mit dem folgenden Interview danken wir Christian Arndt und Luca Helms für ihre umsichtige, verantwortungsvolle und 24-Stunden-7 Tage-durchgehende Tätigkeit in der FFW. Sie stehen hier auch stellvertretend für die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Fuhlendorf – FFW -. auch ihnen sind wir zu großem Dank verpflichtet.
„Und dieses ganze Miteinander, das ist doch eigentlich das, was zählt“ (Christian Arndt)
„Ja, wenn ich helfen kann, ist es immer auch ein schönes Gefühl“. (Luca Helms, Jugendfeuerwehrwart der FFW)
Iris Peinl: Vielen Dank, dass Ihr dieses Interview zu Eurer ehrenamtlichen Tätigkeit in der FFW gebt Welche Tätigkeiten übt Ihr hier in welcher Position aus?
Christian Arndt: Ich bin Jugendfeuerwehrkamerad seit 1986, damals hieß es noch AGM Brandschutzhilfe. Dann bin ich in den aktiven Dienst in Rövershagen und später Fuhlendorf gewechselt. Ich wollte, so wie es mir mein Vater in die Wiege gelegt hat, mit Kindern zusammenarbeiten und in Fuhlendorf über den Feuerwehrverein wieder Leute kennenlernen. Ich habe mich dann mit den Jahren reingearbeitet. Nicht in eine Führungsposition, aber ich habe Lehrgänge gemacht, so z.B. den Maschinistenlehrgang für das Fahrzeug, 2002 den Jugendwart- und 2013 den Gruppenführerlehrgang. Am 09.05. 1998 habe ich mit Unterstützung u.a. von meinem Vater, dem damaligen Bürgermeister Groth und Ronny Knaack die Jugendfeuerwehr in Fuhlendorf gegründet und dann 27 Jahre die Position des Jugendwarts ausgeübt. Parallel dazu habe ich 8 Jahre in bei Kreisjugendleitung der Feuerwehr mitgearbeitet, Wettkämpfe organisiert und als Wettbewerbsrichter diese Kämpfe z.T. auch begleitet. Mir hat die Arbeit mit den Kindern viel Spaß gemacht, auch, weil man von ihnen viel Freude zurückbekommt. Mittlerweile bin ich stellvertretender Gemeindewehrführer der FFW.
Iris Peinl: Wann hast Du den Jugendwart an Luca übergeben?
Christian Arndt: Das war am 31.01.2026. Natürlich habe ich schon im Vorfeld nach Jemanden geschaut, bei dem ich weiß, dass das Ganze in die richtige Richtung geht. Das war schlussendlich Luca.
Iris Peinl: Welchen Part spielst Du jetzt in der FFW Fuhlendorf?
Christian Arndt: Jetzt bin ich stellvertretender Gemeindewehrführer und trage zur Koordination der Ausbildung bei. Dabei geht es um die Themen und Zeiten im theoretischen und praktischen Teil. Die Ausbildung machen dann u.a. auch die Gruppenführer. Weiter unterstütze ich noch Luca bei der Jugendfeuerwehr, das ist ein schleichender Übergang in den nächsten zwei Jahren.
Iris Peinl: Du fährst auch die praktischen Feuerwehreinsätze mit. Bitte erzähle darüber.
Christian Arndt: Das obliegt eher dem Gemeindewehrführer. Aber neben unserer Jugendarbeit fahren wir auch Einsätze, auch während unserer Arbeitszeit. Das sind nicht nur Brandeinsätze, sondern auch technische Hilfeleistungseinsätze bei jedem Verkehrsunfall in unserer Ortslage oder auch Türöffnungen für Menschenrettung bei hilflosen oder hilfsbedürftigen Personen. Das kommt mit dem Älterwerden der Bevölkerung jetzt öfter vor. Weiter geht es z.B. um Straßenräumung etwa von Bäumen nach Stürmen.
Iris Peinl: Wie werden diese Einsätze organisiert? Gib es einen Bereitschaftsplan?
Christian Arndt: Wir sind eine Feuerwehr mit Grundausstattung. Wir werden über die Funkmeldeempfänger und über die App Divera alarmiert. Über die App teilt man mit, ob man einsatzbereit ist. Diese Information erscheint auf dem Bildschirm in der Feuerwehr und der Einsatzleiter entscheidet, ob noch eine Minute gewartet oder losgefahren wird.
Iris Peinl. Luca, Du hast die Aufgabe des Jugendfeuerwehrwarts von Christian übernommen. Wie fädelst Du Dich in Deine neue Tätigkeit ein?
Luca Helms: Ja, Anfang des Jahres habe ich übernommen, davor habe ich aber schon bei Christian mitgemacht. Nach und nach arbeite ich mich ein, Christian sowie andere Kameraden in der Feuerwehr unterstützen mich dabei. Es macht mir sehr viel Spaß, mit den Kindern zusammenzuarbeiten, vielfach greife ich hier auf meine eigene Ausbildungserfahrung bei Christian in meiner Kindheit und Jugend zurück.
Iris Peinl: Wann war das genauer?
Luca Helms: Oh… ja genau, von 10 bis 16 Jahren. Dann bin ich mit 16 in die aktive Abteilung gewechselt und habe auch ein paar Ausbildungslehrgänge gemacht: Truppmann, Truppführer und Maschinist.
Iris Peinl: Fährst Du auch bei den Einsätzen mit?
Luca Helms: Ja.
Iris Peinl: Für Euch beide trifft – stellvertretend für alle Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr – zu, dass Ihr sehr viel Zeit, aber auch körperliche und geistige Kraft für das Wohlergehen der Gemeinde und deren Einwohner einsetzt. Warum macht Ihr das? Warum engagiert Ihr Euch?
Christian Arndt: Meine Eltern haben mich so erzogen: Hilfsbereit für andere zu sein, für sie da zu sein. Das erwarte ich auch von anderen. Denn man darf nicht vergesse: Das, was wir hier machen, ist ein 24 h – 7 Tage – Einsatz, und zwar 365 Tage im Jahr. Und wenn ich jetzt nur die Ausbildung der Kinder als Jugendwart betrachte, da liegen wir im Jahr so bei knapp 200 Stunden.
Luca Helms: Ja, ich macht’s ja auch gerne. Man sieht es auch bei den Leuten im Dorf: ‚Ah, schau‘ mal, sie sind bei der Feuerwehr‘. Man wir gut angenommen, man spricht gut miteinander.
Iris Peinl: Was gibt Euch diese Tätigkeit?
Luca Helms: Ja, wenn ich helfen kann, ist es immer auch ein schönes Gefühl.
Christian Arndt: Das Engagement in der Feuerwehr ist für mich einfach Kameradschaft, Zusammensein. Du hast deine Freunde, sozialen Kontakte dort. Für mich war auch wichtig, die Kinder aus der Busbude zu holen. Wir müssen ihnen zeigen, was Kameradschaft, Freundschaft und Miteinander ist. Dieses Miteinander ist doch eigentlich das, was zählt. Und wenn ich damals als Jugendwart gesagt habe, ich habe bei dem Wettbewerb richtig Lust auf diesen Pokal und dann kommen die Jugendlichen danach zu mir und sagen: ‚Hier hast Du dieses Ding‘, dann ist das einfach schön. Oder Du gehst einkaufen, triffst so 35-jährige Leute mit kleinen Kindern, die sagen: ‚Alter, bei denen war ich in der Jugendfeuerwehr, die haben meine Jugend geprägt‘, das erfüllt einen auch mit Stolz.
Luca Helms: Ich kann’s nicht gut zeigen, aber ich war sehr berührt, als wir den Abschluss für Christian gemacht haben. Das muss ich schon sagen: So ein Abschied nach 27 Jahren, nach so langer Zeit… Und dann haben wir am gleichen Tag und ich in meiner neuen Rolle als Jugendfeuerwehrwart auch noch den Amtsausscheid gewonnen, das Ding gleich nach Hause geholt. Das war schon schön.
Iris Peinl: Wie motivierst Du die Kids? Kann ja vielleicht auch langweilig werden…
Luca Helms: Dann machen wir ein bisschen was mit Action, z.B. mit Wasser spritzen. Aber auf der anderen Seite muss auch der Schlauch akkurat eingerollt werden.
Christian Arndt: Ich habe immer gesagt: Mit mir kann man Pferde stehlen, aber wenn’s auf den Punkt ankommt, zählt zum Schluss mein Wort. Das ist einfach so, weil ich die Verantwortung habe.
Iris Peinl: Gibt es auch schwierige Momente in eurer Tätigkeit?
Luca Helms: Ja, na klar. Also wenn z.B. Personen in Gefahr sind, fährt man natürlich mit anderen Gefühlen in den Einsatz. Und wenn sich herausstellt, dass die Person nur noch geborgen werden kann, dann ist man natürlich bedrückt. Aber da ist die Feuerwehr sehr gut: Dann setzen wir uns nach dem Einsatz hin und reden alle aneinander. Wer schwer zu kämpfen hat, kann in jedem Fall auch psychologische Unterstützung in Anspruch nehmen.
Christian Arndt: Es gibt Kriseninterventionsteams, die bei schweren Verkehrsunfällen vom Einsatzleiter sofort alarmiert werden können und dann mit rauskommen. Ich habe auch als Einsatzleiter mittlerweile alles gesehen, das geht schon an den Nieren. Du brauchst dann Nachbereitung und Du brauchst auch teilweise psychologische Hilfe. Wir sind auch froh, dass es jetzt so etwas gibt. Denn ich kenne es noch aus den 90iger Jahren, in denen es diese Hilfe nicht gab. Dann kommst Du von so einem Einsatz nach Hause, machst die Tür zu und dann ist die Hölle in deinem Kopf los. Das ist einfach so.
Luca Helms: Mir helfen die Gespräche mit meinen Kameraden. Hier ist keiner bei uns, der sagt, nee, davon möchte ich nichts wissen. Bei uns reden alle miteinander.
Christian Arndt: Es gibt für jeden Einsatz eine Nachbereitung. Oder Du sagst als Kamerad, hört zu, ich brauche das und das. Jeder macht ja auch seine eigenen Erfahrungen und verarbeitet jeden Einsatz anders. Ich habe aber auch schon mit den Kindern gesprochen, um sie auf solche Sachen vorsichtig und behutsam vorzubereiten und zu zeigen, wie so ein Bergungsmechanismus dann abläuft.
Iris Peinl: Wie zeigt Ihr so einen Mechanismus den Kindern?
Christian Arndt: Dazu üben wir zum Beispiel spielend die Menschenrettung aus einem verqualmten Raum: Es wird ein Raum abgedunkelt, die Kinder können nichts sehen, bekommen leichte Atemschutzgeräte und suchen in diesem Raum Gegenstände. Dabei lernen sie u.a., in welcher Reihenfolge sie den Raum unter Beachtung der beiden Grundprinzipien ‚sichern und selbstsichern‘ betreten müssen. Oder sie lernen, was man bei einem Verkehrsunfall zuerst zu tun hat, wie sichert man eine Straße ab, in welcher Reihenfolge ist was zu tun. Geplant ist, dass wir einmal im Jahr mit den Kindern und Jugendlichen einen 24h-Dienst machen und mit ihnen dann genauer verschiedene Einsatzszenarien üben.
Luca Helms: Das Lernen läuft auch ganz viel über Sympathie. Wenn die Kinder mit Dir nicht klarkommen, haben sie keinen Spaß. Daher ist es schon wichtig, dass man mit jedem einzelnen Kind klarkommt. Dann läuft es. Und wir versuchen immer eine Kombination von Altem und Neuem. Also erst einmal das Alte verinnerlichen, dann was Neues anfangen.
Iris Peinl: Welche Unterstützung habt ihr für Eure Tätigkeit in der Gemeinde?
Luca Helms: Noch habe ich nicht viel Erfahrungen damit gemacht, aber wenn wir etwas anschaffen müssen, kann man mit dem Bürgermeister reden. Oder wir reden mit dem Förderverein der Feuerwehr. Das läuft gut.
Christian Arndt: Für mich ist es erst einmal meine Familie. Wenn die Familie und meine Frau nicht hinter mir stehen würde, dann kann ich das alles gar nicht machen. Darauf baue ich auf. Und das, was die Feuerwehr und ihre Ausrüstung angeht: Das geht alles über den Wehrführer oder den stellvertretenden Wehrführer und unseren jährlichen Haushaltsplan. Er wird zwei Jahre im Vorab gemacht. Weiter suchen wir natürlich immer auch Sponsoren im Dorf, die uns unterstützen.
Iris Peinl: Wie sieht es mit der Unterstützung von Gewerbetreibenden aus?
Luca Helms: Die ist sehr, sehr gut. Wenn wir auf Gewerbetreibende zugehen, helfen sie sehr gern. Wenn wir z.B. ein Sommerfest haben und etwas auf Kommission kaufen möchten, dann läuft das auch schon mal als Spende.
Christian Arndt: Ja, aus dem Dorf gibt es schon große Unterstützung. Aber ich denke, wir geben dafür auch viel für das Dorf.
Iris Peinl: Gibt es noch offene Wünsche?
Christian Arndt: Ich wünsche mir, dass die Vereine mehr zusammenarbeiten, dass die Gemeindevertretung gerade mit Blick auf die anstehende 750-Jahrfeier alle an einen Tisch bekommt.
Iris Peinl: Was würdet ihr jemanden sagen, der bei Euch einsteigen möchte? Wie werbt Ihr für Euch?
Luca Helms: Er muss auf jeden Fall engagiert sein, am besten freundlich und hilfsbereit. Und er muss eine gewisse Ausstrahlung haben und mit schwierigen Situationen umgehen können.
Christian Arndt: Bei uns kannst Du lernen, stark zu sein. Denn alles, was man macht, beruht ja auf eigenen Erfahrungen. Und die macht man bei uns über die Ausbildung, Mannschaftseinsätze, -besprechungen – letztendlich ist das alles Kameradschaft.
Iris Peinl: Haben wir einen Aspekt Eurer ehrenamtlichen Tätigkeit noch nicht angesprochen?
Christian Arndt: Ja, ein Wort zum Thema Freiwilligkeit: Was ist freiwillige Feuerwehr? Ich kann in die freiwillige Feuerwehr eintreten und austreten. Das kann ich freiwillig machen. Aber wenn ich in die Feuerwehr eintrete, gehe ich in eine Verpflichtung ein. Darüber sollte man sich klar sein. Hier gibt’s viel Verantwortung für kein Geld.
Iris Peinl: Herzlichen Dank für das Interview.
Thomas Diestler ist der Gemeindewehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Feuerwehr Fuhlendorf und wird Ines Bauer als Mitglied unseres Redaktionsteams das nächste Interview zu seinem ehrenamtlichen Engagement in unserer Gemeinde geben. Dafür sagen wir ihm im Vorab schon einem herzlichen Dank.













