… so wurden die Fischerteppiche genannt, die vor 100 Jahren in Lubmin und Freest den dortigen Fischern ein zusätzliches Einkommen sichern sollten.

Ein dreijähriges Fangverbot veranlasste den damaligen Landrat dazu, den Tapisseristen Rolf Stundl aus Zagreb zu holen. Der Begriff leitet sich vom Tapezierer und Polsterer ab, das heißt einem Kunsthandwerker, der sich auf das Weben von textilen Wandbehänge wie Gobelins spezialisiert hat. Er sollte den Fischern und deren Frauen das Handwerk des Teppichknüpfens beibringen. Die entstanden Kunstwerke hießen erst Pommersche Fischerteppiche und später Freester Fischerteppiche, als man über Pommern nicht mehr reden wollte.

Ein Fischerteppich mit Pommerschem Greif
Ein Fischerteppich mit Pommerschem Greif

Wir berichteten Anfang des Jahres in der Dorfzeitung von unserer Idee, die Kunst des Knüpfens aus dem östlichen ins westliche Vorpommern zu holen, um diese Handwerkskunst als Kulturerbe zu pflegen und zu verbreiten.

Mit Sicherheit werden die Fischerteppiche mit ihren traditionellen Mustern auch heute noch Käufer finden, auch wenn die Preise sie nicht für jeden erschwinglich machen. Im letzten Jahrhundert waren sie so begehrt, dass sie ihren Weg bis nach Berlin und in andere Großstädte fanden.  

Nach meinem ersten Artikel im Januar hin haben sich interessierte Frauen gemeldet, die ihre eigene Kreativität ausprobieren und die alte Handwerkstechnik  erlernen wollen. Die Devise bei der Einführung in den Fischerfamilien war: „Wer einen Schotstek und Netze knüpfen kann, dem wird auch ein Smyrnaknoten am Knüpfstuhl gelingen.“

geknotetes Fischernetz
geknotetes Fischernetz

In Greifswald haben wir zwei noch aktive Knüpferinnen gefunden, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das alte Handwerk weiterzuvermitteln. Karsta Dengler und Ulrike Sulk werden uns beim „Kunstfest unterm Apfelbaum“ in der Gaststätte Nordlicht Harmonie  und bei einem Einführungsvortrag  diese Kunst an ihren Knüpfstühlen zeigen und mit ihren selbst entworfenen Teppichen in die Welt der „Perser von der Ostsee“ einführen.

Frau Dengler wird am Sonntag, den 9. August, im Rahmen unseres „Kunstfests unterm Apfelbaum“ von 11.00 – 16.00Uhr den Miniknüpfstuhl vorführen, auf dem auch in  der Arbeitsgruppe die ersten Miniteppiche entstehen sollen. Außerdem wird sie uns helfen, das Bildprogramm für einen Jubiläumsteppichs zur 750 Jahrfeier von Fuhlendorf zu entwerfen. Dabei sollen die Besucher des Kunstmarktes  charakteristische Motive aus vorhandenen Vorschlägen heraussuchen, die zu einem großen Patchworkteppich anschließend zusammengestellt werden.  Wir sind gespannt, welche Motive dabei für Fuhlendorf als besonders charakteristisch ausgewählt werden. Anschließend sollen diese traditionellen Motive, wie zum Beispiel Wellen, Kraniche, Schafe oder Zeesboote zu einem großen Patchworkteppich „komponiert“ werden.  

Ulrike Sulk wird uns am 10. September in einem Vortrag in die Geschichte der Fischerteppiche einführen, insbesondere wie diese Kunst aus Zagreb und dem Orient an die Ostsee gekommen ist. Sie wird uns erläutern , was einen Fischerteppich ausmacht und welche Knüpfstühle und Werkzeuge traditioneller Weise dafür verwendet werden. Sie wird an ihren eigenen Teppichen die typischen Ostseemotive zeigen, die einen Fischerteppich ausmachen.

Im September hoffen wir, dass im Rahmen der Lesereihe des Kulturvereins K-Drei e.V. „ Dorf liest“ das Thema Fischerteppiche von der erzählerischen Seite beleuchtet wird. Die SPIEGEL-Bestsellerautorin Karin Kalisa hat das Vermächtnis der Fischerteppiche von Rudolf Stundel mit echten und frei erfundenen Personen in einen Roman verpackt.

Außerdem wird uns am 22. September Frau Antje Hückstedt das Immaterielle Kulturerbe in Vorpommern vorstellen. Sie ist im Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern dafür zuständig und hat maßgeblich den Antrag für das Kulturerbe „Zeesboottradition“ für die Unesco mitformuliert. In ihrem Vortrag wird sie den Bogen spannen zwischen der Zeesboottradition, der Fischereitechnik in den Küstengewässern und den Fischerteppichen.

Anfang September und im November werden wir dann bei eintägigen Workshops auf Miniknüpfstühlen selbst anfangen zu knüpfen. Die Idee ist, in zwei Workshops am 26. September und am 7. November den Jubiläumsteppich wie ein Puzzle aus den Miniteppichen zusammenzusetzen.

Das genaue Bildprogramm sollen die Knüpferinnen in den Workshops selbst festlegen. Die Farben der verwendeten Schafwolle sollten die Farben Boddenlandschaft widerspiegeln, so muss das Aquamarinblau des Himmels und  das Olivgrün des Bodden sowie das Schilfgrün wie das Grasgrün auf jeden Fall dabei sein. Das Grau und Rot der Kraniche ist genauso charakteristisch wie das Rostrot der Zeesbootsegel und das Weiß der Schafe. Das Farb- und Bildprogramm sollte der Vorpommerschen Landschaft entsprechen.

vorpommersche Boddenlandschaft
vorpommersche Boddenlandschaft

Am Ende der beiden Workshops werden die Teilnehmerinnen wissen, ob sie mit dem Knüpfen ein neues Hobby entdeckt haben und wir werden wissen, ob unser Plan einen Grundstock an Miniteppichen für den Jubiläumsteppich zu haben, aufgegangen ist.

Danach beginnen regelmäßige Arbeitstreffen in der kuscheligen Winterzeit. Regelmäßig wird man sich bei Tee, Kaffee und anderen köstlichen Stärkungen treffen müssen, um gemeinsam das Knüpfziel zu erreichen. Vielleicht gelingt sogar eine personelle Verstärkung durch zwischenzeitlich dazu gewonnene Knüpfer oder Knüpferinnen, die wir fortlaufend in die Geheimnisse der Knüpfkunst einführen.

Selbstverständlich kann man auch einen eigenen Knüpfstuhl erwerben, so dass zu Hause am Adventskranz oder unterm Tannenbaum geknüpft werden kann. Während des Kurses wird der Knüpfstuhl kostenlos zur Verfügung gestellt, um die weiteren Miniteppiche für unseren Jubiläumsteppichteppich zu fertigen.

Wir hoffen, dass wir mit diesem Vorhaben zum Erhalt und der Pflege des Immateriellen Kulturerbes in unserer Region einen kleinen Beitrag leisten, Menschen dafür begeistern und zum Miteinander beitragen können.

Der Kulturverein Fuhlendorf K-Drei e.V. ist sehr dankbar, dass die Bürgerfonds Kultur von Mecklenburg-Vorpommern und die Fonds Vorpommern und das westliche Mecklenburg dieses Projekt fördern.

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