ueberflutung

Am 21. Januar 2026 fand im Saal der Gaststätte „Am Alten Hafen“ / Bodstedt eine Einwohnerversammlung zum Thema

„Küstenschutz in Mecklenburg-Vorpommern (MV). Situation und Herausforderung“

statt. Eingeladen hat der Bürgermeister Christian Unger. Als Vortragenden hat er Herrn Dr.-Ing. Frank Weichbrodt vom Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern als Spezialisten gewonnen.

Angestoßen durch die letzte, vom örtlichen Kulturverein K-Drei e.V. organisierte Informationsveranstaltung im vergangenen Jahr zum Thema „Wiedervernässung des Polders Fuhlendorf“ ging es in dieser Veranstaltung konkret um den Hochwasserschutz für die Ortslage Michaelsdorf. Das Interesse an diesem Thema war riesengroß, so dass der Saal mit ca. 70 Anwesenden komplett voll war. Verständlich – die Hochwasserereignisse vom Oktober 2023 waren noch allgegenwärtig.

Dr. Weichbrodt führte in seinem Vortrag einleitend aus, dass die Intensität der Nutzung der Küstenflächen und die Zahl der an der Küste lebenden Menschen kontinuierlich zugenommen haben. Daher gehört die Küstenregion heute zu den intensivsten genutzten Flächen unseres Landes.

Die Aufgabe des Küstenschutzes ist es, den an der Küste lebenden und arbeitenden Menschen weitreichenden Schutz vor den Gefahren bei Sturmfluten und Küstenrückgang zu geben. Diese Aufgabe hat der Gesetzgeber aufgrund ihrer existentiellen Bedeutung zur Landespflicht erklärt und sie wird nicht einfacher: Die Gefährdungslage hat sich durch den Klimawandel verschärft und wird sich voraussichtlich weiter erhöhen. Die Sturmflut, das Hochwasser und die Flächen- und Gebäudeschäden im Jahr 2023 waren ein deutliches Warnsignal dafür, dass auch der Bodden und die die Boddenküste von solchen Extremereignissen betroffen sein können. Daher stellt das Land jährlich Geld bereit, um die Aufgaben des Küstenschutzes kontinuierlich und bedarfsgerecht zu erfassen, zu priorisieren und zu realisieren. D.h.: Sie werden nach Bedrohungslage und Wichtigkeit schrittweise abgearbeitet, so Herr Weichbrodt.

Ausgehend von dieser grundsätzlichen Bedeutung des Küstenschutzes im Bereich der Ostseeküste in MV leitete der Referent die Wichtigkeit des Küstenschutzes für die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst für den Schutz der südliche Boddenregion und damit speziell auch für Michaelsdorf ab.

An die Sturmflut von 2017 mit den hohen Deichabbrüchen an der Ostseeküste können sich sicher noch viele erinnern. Die in der Folge eingeleiteten Küstenschutzmaßnahmen sind bereits ein wichtiger Teil des Hochwasserschutzes für die Boddenregion. Jetzt geht die größte Gefahr für Hochwasser in den Boddengewässern aus der Öffnung des Boddens zur Ostsee bei Barhöft aus.

Schließlich beleuchtete Herr Weichbrodt die zukünftige Hochwassergefahr für die Halbinsel Michaelsdorf. Dabei diskutierte er mit Variablen wie etwa unterschiedlicher Wassertemperaturen der Ostsee bzw. des Boddens oder auch verschiedene Windstärken und -richtungen Szenarien eines möglichen Hochwassers und verwies darauf, dass aktuell davon ausgegangen wird, dass in 100 Jahren der Wasserstand ca. 1,00 m höher sein kann als heute.

Mögliche Hochwasserschutzlösungen für Michaelsdorf wurden ebenfalls sehr konkret erörtert. Die grundsätzliche Frage ist hier die Entscheidung zwischen einer zentralen oder eine lokale Lösung. Die zentrale Lösung wäre die einer Spundwand an der Meiningen Brücke. Da das aber auch eine Kostenfrage ist, ist, so die Argumentation, eine lokale Lösung die günstigste. Die wäre u.a. ein Deich um die Ortslage. Dazu gab es reges Interesse der Anwohner und Fragen sowie ein Gedankenaustausch zu diesen Projekten.

Frau Kupfer als petitionsführende Anwohnerin zum Thema Hochwasserschutz in Michaelsdorf gegenüber dem Ministerium referierte im Anschluss an Herrn Weichbrodt ebenfalls sehr ausführlich zu der Situation auf der Halbinsel und stellte Ihre Lösungsvarianten zum Hochwasserschutz für Michaelsdorf vor.

Frau Birgit Neumann vom Wasser- und Bodenverband Recknitz-Boddenkette verwies darauf, dass die Ortslage Michaelsdorf einerseits den Landesschutzdeich benötigt. Andererseits macht aus ihrer Perspektive auch die Moorvernässung  mit dem Riegeldeich und der Verbesserung des Schutzes der Straße  nach Michaelsdorf, so wie sie durch die Ostseestiftung auf den Weg gebracht wurde, Sinn.

Insgesamt kam die Gewissheit rüber, dass das Land MV die Situation unserer Region sehr genau kennt, abbilden kann und auch jetzt schon planerisch einige durchgespielte Lösungsansätze für den Küsten- und Boddenhochwasserschutz vorweisen kann.

Aber:  Michaelsdorf ist – so die Auffassung des Landes über die Ortslage- noch nicht bzw. im Vergleich zu anderen Boddenbereichen noch nicht akut – vom Hochwasser bedroht. Da gibt es, so Herr Weichbrodt, boddenseitig Bereiche, für die dringender Lösungen gefunden werden müssen.

Dies alles wird auf der Grundlage des Generalplanes Küsten- und Hochwasserschutz MV bearbeitet. Für Michaelsdorf ist seine Behörde noch in der konzeptionellen Phase. Eine Entscheidung darüber, was der kleinen Halbinsel am besten Schutz bietet, wird es innerhalb der kommenden 10 Jahre geben.

Noch einen Hinweis gab Herr Weichbrodt an die Behörden wie Gemeindeverwaltungen und Ämter: Ihre Aufgabe sei es, Bauvorsorge zu schaffen. D.h.: Über Raumentwicklungspläne müsse festgelegt werden, dass nur dort gebaut werden soll, wo tatsächlich gefahrenfrei vor Hochwasser gebaut werden kann. Auch dafür werden die Studien und Pläne in Vorbereitung des Hochwasserschutzes durchgeführt und liegen z.T. vor.

Einen besonderen Service bot Herr Dr. Weichbrodt zum Schluss an: Er ist für weitere Anfragen und Informationen zum Thema Hochwasserschutz Michaelsdorf offen, zu weiterführenden Gesprächen gern bereit – auch in größeren Formaten wie dieser Einwohnerversammlung am 21.01.2026.  Sehr gern veröffentlichen wir dazu seine Anschrift:

Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt

Dr.-Ing. Frank Weichbrodt, Paulshöher Weg 11, 9061 Schwerin

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Szenario Risikohochwasser Michaelsdorf
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aktuelle Deichsituation Michaelsdorf
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Dr. Weichbrodt erläutert potentielle Trassenvarianten
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Präsentation von Frau Kupfer

Wir bitten die Qualität der Fotos zu entschuldigen. Kommentare, Ergänzungen oder Kritik bitte senden an post@dorf-macht-zeitung.de