„Nicht alle Teppiche mit Fischen sind Fischerteppiche“ dieses Bonmots stammt von Ulrike Sulk, die am vergangenen Donnerstag in Bodstedt auf Einladung des Kulturvereins Fuhlendorf einen Vortrag zur Geschichte der Fischerteppiche hielt. Gerade wurde sie vom Heimatverband Mecklenburg-Vorpommen für ihr Engagement zur Bewahrung der traditionellen Fischerteppiche geehrt. Anlässlich dieser Auszeichnung stellte das Nordmagazin des NDR ihre Arbeit in ihrem Atelier in Sundhagen und in dem von ihr mit Gleichgesinnten gegründeten Knüpftreffpunkt  St.Spiritus in Greifswald vor. Mit diesem Film begann ihr Vortrag zu der erstaunlichen Geschichte der handgeknüpften vorpommerschen Fischerteppiche.

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Renate Jürgens-Pieper begrüßt Ulrike Sulk / Foto: R. Müller

Dabei erzählte Ulrike Sulk dem interessiert lauschenden Publikum, wie die Fischerteppiche vor 100 Jahren in Lubmin und Freest den dortigen Fischern ein zusätzliches Einkommen sichern sollten. Sie schilderte, wie eine dreijährige reduzierte Fangquote den damaligen Landrat veranlasste, den Tapisseristen Rolf Stundl aus Zagreb anzuwerben. Der war Textilkünstler und Musterentwerfer. Nach dem Besuch der Handelsakademie in Budapest und einer Ausbildung in Web- und Knüpftechniken arbeitete er in Zagreb, Breslau und Berlin. Er sollte den Fischern und deren Frauen das   Handwerk des Teppichknüpfens beibringen.

Die Fischer haben damals unter Rudolf Stundls Anleitung maritime Motive in einer stark geometrischen Anordnung entwickelt und entschieden sich beim Farbschema für blau-grüne und erdige Töne. Sie wollten die Farben des Meeres, des Boddens, des Himmels und der Schilfgürtel abbilden.

Die entstandenen Kunstwerke hießen anfangs Pommersche Fischerteppiche und später in der DDR Freester Fischerteppiche, als man über Pommern nicht mehr reden wollte.

Sie berichtete weiter, wie die anfängliche Arbeitsbeschaffungsmaßnahme sich mit Rudolf Stundl in eine Manufaktur in der Nazi- Zeit und später in der DDR zu einer Handwerkstradition entwickelte. Mit ihr erzielten Frauen ein Einkommen, auf die die Knüpferei von den Fischern übergegangen ist. 

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traditionelle Fischerteppiche von Ulrike Sulk / Foto: R. Müller

Der Vertrieb dieser Fischerteppiche erfolgte zunächst bis 1992. Danach wurde alles aufgelöst und verkauft. Die Fischteppiche und die Handwerkskunst gerieten in Vergessenheit.

Erst seit ein paar Jahren trafen sich die letzten drei Knüpferinnen und erreichten 2023, dass die UNESCO diese Tradition als immaterielles Kulturerbe anerkannte, woran Ulrike Sulk mit ihrer Arbeit sicherlich einen grossen Anteil hatte.

Sie zeigte an dem mitgebrachten Knüpfstuhl, wie aus den senkrechten Kettfäden und den waagerechten Schussfäden ein Geflecht entsteht, in das die gefärbten Fäden aus Schafswolle eingeknotet werden.

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Knüpfstuhl / Foto: R. Müller

Beim Anfertigen ihrer Teppiche legt Ulrike Sulke Wert darauf, dass der Motivkanon und der Farbcode traditionell bleiben, wie sie mehrfach betonte. Ihr Bonmot hat für sie einen ernsten Hintergrund, sie möchte verhindern, dass die Fischerteppiche beliebig in ihren Motiven und Farben werden und ihren Wiedererkennungswert  verlieren.

Wichtig ist ihr, dass die Grundprinzipien für Fischerteppiche gelten. Das heisst, die maritimen Motiven wie Fische, Wellen, Anker, Möwen und Kraniche werden in geometrisch reduzierter Form umrahmt von einem Rand mit Wellen oder Möwen geknüpft.

Es gibt seit hundert Jahren keine Zertifizierung für sie, bisher hat die mündliche Traditionsweitergabe ausgereicht. Ulrike Sulk hofft, dass das Kulturerbe in dieser traditionellen Form durch ihre Bemühungen so erhalten bleibt. Zu diesem Zweck will sie mit ihren Mitstreiterinnen einen Verein gründen, der ihr Anliegen in der Zukunft weiterverfolgt.

Zum Abschluss ihres Vortragsabend stand sie allen Interessierten für ihre Fragen zur Verfügung und erklärte geduldig ihr Knüpfhandwerk, ihre Musterentwürfe und das Zubehör. 

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