Teil 1: Die Fraktion der Wählergemeinschaft Fuhlendorf und die Tourismuszentrale als Mehrzweckgebäude für die Gemeinde
Dorfzeitung: Vielen Dank, Herr Groth, dass Sie sich Zeit genommen haben für das Interview. Würden Sie bitte kurz die Fraktion der Wählergemeinschaft Fuhlendorf vorstellen?
Herr Groth: Ja, die Fraktion besteht aus Bürgern der Gesamtgemeinde Fuhlendorf. Wir hatten gesagt, dass wir wieder eine Fraktion gründen wollen. Dann habe ich Bekannte, die schon in der Gemeindevertretung waren, angesprochen und auch Leute angesprochen, die noch nicht dabei waren. Und dann haben wir die Fraktion gegründet, so wie das gesetzlich üblich ist und haben unsere Aufgaben, die nach unserer Meinung nach noch anstehen, formuliert.
Dorfzeitung: Da sind wir schon bei der zweiten Frage: Welche besonderen Ziele hat die Wählergemeinschaft in der Legislaturperiode?
Herr Groth: Die sind alle bekannt gemacht worden, sie sind eben nicht als gut befunden worden, in der Entscheidung nachher. Und dementsprechend kann ich sie auch nicht mehr verwirklichen. Oder unsere Wählergemeinschaft kann sie nur noch in bestimmten Punkten verwirklichen. Ich habe mir ja immer als Ziel gesetzt, zwischen fünf und zehn Jahren das abzuarbeiten, was wir uns vorher vorgenommen haben. Und das ist mir seit 1994 auch recht gut gelungen.
Dorfzeitung: In der jetzigen Legislatur haben sich die Verhältnisse in der Gemeindevertretung verändert. Was sind nun die besonderen Ziele der Fraktion?
Herr Groth: Grundziele sind erstmal, dass wir die Infrastruktur in der Gemeinde ständig verbessern. Das heißt, dass sich alle Einheimischen genauso wie Gäste, die uns besuchen, hier wohlfühlen. Denn kein Urlauber oder auch kein Tagesgast kommt her, damit er hier schlafen kann. Der kommt, um die Natur zu genießen. Und das ist eigentlich das, was ich immer mit den Gemeindevertretungen seit 1994 im Blick hatte. Das heißt, wenn man einen Fahrradweg baut, ist er ja nicht nur für Urlauber da, er ist genauso für Einheimische oder ihre Besucher da. Der Strandabschnitt Bodstedt ist für mich auch ein ganz wichtiger Aspekt. Da habe ich schon vor drei Jahren angefangen, mit Planungsbüros zu sprechen, wie wir den Strand schützen können, der seit dem Hafenbau ständig ein wenig ausgespült wird. Da sind schon damals Gedanken entwickelt worden. Das konnte leider noch nicht verwirklicht werden, weil Naturschutzbelange dort mit reinspielen. Aber das ist natürlich eine Aufgabe, die man weiter machen muss. Dann sind es weiterhin die Fahrradwege, auch sind noch einige Straßen zu machen und Gehwege. Und was für mich auch noch mal ganz wichtig ist: Wie kann man den Hafen noch attraktiver machen? Wie können da noch ein paar mehr Veranstaltungen organisiert werden? Die jetzigen sind ja auch daraus entstanden, dass wir einen Tourismusverein mit den drei Gemeinden gegründet haben. Das geplante Gebäude nenne ich nicht Tourismusgebäude, sondern Mehrzweckgebäude. Das wird nicht für die Urlauber gebaut. Der Tourismusanteil wird der niedrigste Anteil bei diesem Gebäude, sondern das ist hinten die größere Halle, die sich an den Sportplatz anbindet, wo die Kinder aus dem Kindergarten mehrmals in der Woche Sport treiben können. Gleichzeitig war es von vornherein so angelegt, dass dort auch kulturelle Veranstaltungen oder größere Versammlungen oder Veranstaltungen, gern auch überregional, durchgeführt werden können. Die erste Planung für diese Geschichte habe ich gemacht und das ist mir auch sehr wichtig. Die Skizze und die Zeichnung zur Entwicklung dieses Gebäudes habe ich in langer Arbeit hier am Tisch entwickelt. Und dann der Gemeindevertretung oder dem Hauptausschuss vorgeschlagen. Und die Entwicklung wird zeigen, dass die Gemeinde davon profitieren wird.
Dorfzeitung: Wie ist der Stand der Entwicklung dieses Mehrzweckgebäudes?
Herr Groth: Ich war im vorigen September mit Herrn Unger in Schwerin, habe das da nochmal alles vorgestellt, verteidigt. Da war Herr Unger schon Bürgermeister. Und seitdem weiß ich von nichts. Punkt.
Dorfzeitung: Sie haben bei der Darstellung der besonderen Ziele der Fraktionen viel Wert gelegt auf die Tourismusstruktur…
Herr Groth: … ich habe gerade gesagt, dass alles, was wir machen, auch für den Bürger da ist. In erster Linie ist es für den Bürger da. Die Bürger haben ja auch Urlauberzimmer oder -wohnungen, so dass die Urlauber diese Infrastruktur natürlich mitnutzen können. Und diese Mitbenutzung bezahlt auch derjenige, der nicht vermieten darf, vermieten kann, oder vermieten will. Und da einen Ausgleich zu bringen, das ist eine wichtige Aufgabe. Da kann man nicht nur immer schimpfen und sagen, dass alles falsch ist. Meistens kommt es ja von denen, die fünf bis sieben Ferienwohnungen haben. Aber die Gemeinde muss deshalb trotzdem die Infrastruktur verbessern. Diesen Zwiespalt muss man versuchen, irgendwie hinzukriegen. Sonst bezahlen Einheimische alles alleine. Die gesamte Infrastruktur wird ja aus Steuermitteln bezahlt, in irgendeiner Form. Was passiert denn, wenn die Gemeinde finanziell nicht mehr in der Lage ist, die Pflichtaufgaben zu lösen? Das heißt doch im Endeffekt: der Bürger, der hier wohnt, muss dann tiefer in die Tasche greifen. Und genau das habe ich nicht gewollt. Deshalb habe ich mir immer Gedanken gemacht, wie kann man das lösen? Und das kann man nur lösen, indem man demjenigen, der das nutzt, auch ein Teil mit auferlegt.
Dorfzeitung: Zum Bauplan für das Mehrzweckgebäude, den Sie hier am Schreibtisch entwickelt haben: Hat der sich weiterentwickelt, ist er in eine andere Richtung gegangen? Wie groß müssen wir uns denn die Halle ungefähr vorstellen?
Herr Groth: Das jetzt aus dem Kopf zu sagen, ist natürlich sehr schwierig. Haben Sie alles schriftlich liegen, u.a. in meinen Ausführungen zur Wahl.
Dorfzeitung: Wird der Bauplan nochmal der Gemeinde vorgestellt? Oder ist das jetzt vorbei?
Herr Groth: Das ist nicht mehr meine Aufgabe.
Dorfzeitung: Der Bauplan ist auch online einsehbar im Amt Barth. Können Bürger hier noch Einfluss nehmen?
Herr Groth: Nein. Der B-Plan ist ja gemacht worden, die Einflussnahme war schon vor Jahren. Ich habe es bis jetzt erst zweimal erlebt, dass mal kleinere Gedankengänge von Bürgern mit reingebracht worden sind. Aber im Allgemeinen hat der Bürger jetzt nicht gesagt, der Raum muss anders gestaltet werden oder dass der Vorplatz anders gestaltet werden muss. Das habe ich sehr wenig erlebt. Aber wenn da in den Gesprächen, die man mit den Leuten vor Ort so führt, der eine oder andere Gedanke gekommen ist, der ist mit Sicherheit mit einbegriffen. Das betrifft den Vorplatz, den Parkplatz, die Fahrradständer, die Ladestationen, alles das, was im Endeffekt heute dazu gehört, das ist eingearbeitet worden. Und dieses Haus ist ja entstanden aus den Erfahrungen von anderen Gegenden, die ich besucht habe – egal, ob das in Friesland war oder in Eckernförde. Ich habe mir sehr Vieles angeguckt und habe versucht, daraus für die Gemeinde so ein kleines bisschen zu profitieren. Das passiert heute wenig, und das bedauere ich sehr.
Dorfzeitung: Gab es eine öffentliche Einladung an die Bürgerinnen und Bürger, eine öffentliche Präsentation?
Herr Groth: Ja klar, wir haben den B-Plan öffentlich ausgelegt.
Dorfzeitung: Meine Frage war eine andere: Gab es hier in der Gemeinde eine öffentliche Veranstaltung, eine Diskussion dieser Pläne?
Herr Groth: Nein, das glaube ich nicht, weil zu dieser Zeit die Pandemie war, aber das durfte uns nicht hindern, weiter daran zu arbeiten.
Dorfzeitung: Klar, also: Wenn ich das richtig verstanden habe, dann stagniert das im Moment.
Herr Groth: Ja, ich weiß augenblicklich nicht, wohin das geht. 2019 haben in den Gemeinden Saal, Fuhlendorf und Pruchten, über den Standort diskutiert und uns auf Bodstedt geeinigt. Das war ein Prozess, der dauerte sechs, sieben, acht Monate. Und dann wurde wegen der Zuschüsse nachgefragt und die sind uns zur damaligen Zeit auch zu 95% zugesagt worden.
Aber dann hat sich alles verzögert. Ich will niemandem irgendetwas unterstellen, aber wenn ich als zuständige Verwaltung fünf Jahre brauche, um Anträge zu stellen, dann frage ich mich, ob das sein muss. Wir waren ja damals, wenn ich mich nicht irre, bei 3,1 oder 3,2 Millionen Bausumme. Als ich es noch mal im September vorigen Jahres vorgestellt habe, gab es natürlich richtige Probleme im Wirtschaftsministerium. Da beliefen sich die Kosten auf ca. 5 Millionen, und wir sollten abspecken, um auf 3,9 bis 4 Millionen zu kommen. Nach einer Diskussion kamen wir zu der Auffassung, dass ein Abspecken kaum möglich ist. Das ist alles schon klein gehalten und nichts ist überdimensioniert. Ich kann z.B. einen Raum, der als Umkleiderraum für ca. 15 Leute geplant ist, nicht übermäßig verkleinern, das geht nicht. Also, das sind Sachen, die noch mal diskutiert werden müssen, aber, so weit sind wir augenblicklich nicht.
Dorfzeitung: Wir gehen noch mal zur Fraktion, Sie sind Fraktionsführer. Wie arbeitet die Fraktion zusammen?
Herr Groth: Im Augenblick ist schwierig, weil ich ja auch erst mal mit mir selber klarkommen musste. Wie mache ich weiter, was kann ich noch vorschlagen, was kann ich noch mit beeinflussen? Die Fraktion sitzt ja im Hauptausschuss, im Großen und Ganzen, und deshalb muss ich nicht extra Fraktionssitzungen machen. Wir sitzen dort alle an einem Tisch, man kann das dann entscheiden, wir müssen es nur auf den Tisch bekommen.
Dorfzeitung: Das „wir“ ist dann die Fraktion?
Herr Groth: Im Hauptausschuss sind fast alle Mitglieder der Fraktion mit drin. Und am Hauptausschuss kann auch jeder Gemeindevertreter teilnehmen, der nicht im Hauptausschuss ist. Er kann seine Anregung einbringen und dann muss man weitersehen. Aber die Entscheidung, Beschlüsse zu fassen, liegt nicht beim Fraktionsvorsitzenden.
Dorfzeitung: Wie klappt die Zusammenarbeit zwischen der Fraktion, Ihnen als Fraktionsführer und den anderen Gemeinderatsmitgliedern?
Herr Groth: Alle Gemeinderatsmitglieder, außer Herr Unger und Herr Kröger, sind in der Fraktion. Damit habe ich die Frage schon eben gerade beantwortet. Ich kann dieses Wort Fraktionsführer für mich nicht richtig definieren. Ich bin ein ganz normales Mitglied in dieser Fraktion, genauso wie ich ein ganz normales Mitglied in der Gemeindevertretung bin. Ich habe eine Stimme, wie jeder andere Gemeindevertreter auch. Das ist auch beim Bürgermeister so. Er hat eine Stimme. Er muss sich die Stimmen des Hauptausschusses holen.
Dorfzeitung: Und Sie haben keine Sitzung als Fraktion gemacht? Das hatten Sie gerade angedeutet.
Herr Groth: Wir haben zwei gemacht, aber ich sehe augenblicklich keinen Sinn darin. Wir treffen uns ja alle im Hauptausschuss. Und ich will ja nicht gegen irgendetwas arbeiten, sondern ich will mitarbeiten.
Fortsetzung folgt!