Pauline Glaser sorgt gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen dafür, dass die Fuhlendorfer Kinder und Jugendlichen beim Kinderfest so richtig Spaß bei einem Festumzug, bei traditionellen Spielen und beim Tonnenabschlagen haben. Sie können Herzhaftes vom Grill und süße Leckereien am Buffet genießen und können sich bei der feierlichen Siegerehrung zu Majestäten als Königs- und Prinzenpaar küren lassen. Pauline Glaser und ihr Team organisieren das Fuhlendorfer Kinderfest jedes Jahr und lassen damit Kinderherzen höherschlagen.
R. Jürgens-Pieper: Frau Glaser, vielen Dank für ihre Bereitschaft unserer Dorfzeitung ein Interview zu geben. Wir wollen Sie und alle ehrenamtlich engagierten Frauen und Männer in der Gemeinde in dieser Interviewreihe vorstellen und einen Dank aussprechen, dass Sie ihre Freizeit für andere einsetzen. Warum engagieren Sie sich gerade für das Kinderfest, was machen Sie da ganz genau und wie lange sind Sie schon dabei?
P. Glaser: Ich fange mal mit der letzten Frage an. Begonnen habe ich dieses Engagement 2018 erst einmal in einer Nebenrolle und habe mich dann langsam mit wachsender Erfahrung in das Leitungsteam hochgearbeitet.
Was ich da jetzt mache, kann man wahrscheinlich am ehesten mit der Rolle eines Vorstands im Verein beschreiben, wobei wir das innerhalb des Kinderfestes nicht so konkret benannt haben . Im Grunde teilen wir uns die Führungsaufgaben zu dritt. Also mit mir zusammen arbeiten Kathrin Ruß und Anke Kutzner und wir übernehmen die „Vorstandsrolle“.
Wir planen die einzelnen Sitzungen, wir arbeiten mit den Ämtern zusammen und schreiben Pläne, wie, was, wann und wo aufgebaut wird. Wir teilen das Team und unsere Helfer ein und machen die Verträge und Absprachen mit den anderen Vereinen und den Firmen für die Hüpfburgen oder die Eventmodule. Außerdem haben wir die Finanzen im Blick und versuchen die ganze Truppe irgendwie zusammenzuhalten.
Ob sich dieses Engagement und diese Tätigkeit im Laufe der Jahre verändert haben, kann ich bejahen. Da muss ich aber etwas ausholen.
Als ich 2018 angefangen habe, bin ich wirklich einfach nur hingegangen und erstmal nur „mitgelaufen“, ich habe mir dadurch einen Überblick verschafft und alles angesehen. Dann habe ich irgendwann den Tombola-Stand übernommen und habe schon relativ schnell gemerkt, dass der aufgefrischt und umorganisiert werden muss. Das habe ich mir quasi als erste Amtshandlung vorgenommen.
Dann kam der Zeitpunkt, wo das ganze Team sich umorganisieren musste, weil einige aufhören wollten. Wir brauchten also Nachwuchs und es fehlte auch irgendwie an Motivation. Außerdem stand auch die Frage nach einer rechtlichen Absicherung im Raum, da das Kinderfest bis dahin weder offiziell über die Gemeinde noch über einen Verein lief. Deshalb haben wir eine Krisensitzung gemacht und gefragt, wer will wirklich noch mitmachen. Also im Sinne von „Butter bei die Fische“, auf wen können wir uns wirklich verlassen und wer wird ein festes Teammitglied. Kathrin Ruß, die zu dem Zeitpunkt noch die meiste Verantwortung alleine getragen hat, brachte es auf den Punkt: Müssen wir das Kinderfest aufgeben oder schaffen wir den Neuanfang? Da habe ich gemerkt, dass mir das Ganze am Herzen liegt und ich habe mich bereit erklärt, ihr mehr zu helfen und sie zu unterstützen.
Wir haben uns dann auch mit dem Sportverein zusammengeschlossen und haben das Kinderfest offiziell an den Sportverein angegliedert und so einen Rahmen geschaffen, der für alle verlässlich ist. Auch dort bin ich also jetzt im Vorstand tätig und leite einen kleinen Sportkurs namens Body fit.
R. Jürgens-Pieper:Warum engagieren Sie sich gerade hier in der Gemeinde, gerade hier in Fuhlendorf?
P. Glaser: Weil ich hier geboren bin. Ich war mal ein paar Jahre weg, habe in der Nähe von Hamburg gewohnt und bin irgendwann zurückgekommen, weil ich gemerkt habe, dass es schön ist hier zu sein. Ich möchte, dass es im Dorf ein bisschen vorwärts geht, für alle schön ist und dass eben diese Traditionen erhalten bleiben.
Zu Beginn war das aber noch keine aktive Entscheidung. Jetzt ist es zu einer aktiven Entscheidung geworden, dass ich mich dafür einsetze, dass es das Kinderfest weiterhin gibt, so wie ich es in meiner Kindheit auch erlebt habe.
R. Jürgens-Pieper: Gab es da Personen, die sie so ein bisschen gedrängelt und gefragt haben, ob sie sich engagieren wollen?
P. Glaser: Ja, genau. Einige der Frauen, die früher aktiv waren, haben schon länger Nachwuchs gesucht und wollten sich neu aufstellen. Die alle haben mich ein paar Jahre bearbeitet und irgendwann wurde ich bei einem anderen Fest, ich glaube am Bierwagen, mehr oder weniger „verhaftet“. Da hieß es, „ich hol dich am Dienstag um 20:00 Uhr ab und keine Widerrede“. Da ging ich mit, war dabei und konnte dann auch nicht mehr weg.
R. Jürgens-Pieper: Ist dieses Engagement auch für Sie persönlich gut? Habe Sie etwas davon, was Ihnen wichtig ist?
P. Glaser: Ja klar, es macht mir Spaß. Das war mir am Anfang gar nicht so bewusst. Da war es eher so, dass ich gedrängelt werden musste. Aber mittlerweile habe ich gemerkt, dass es mir liegt, so etwas zu organisieren. Ich bin so der Typ, der gerne plant und dabei den Überblick behält. Das bin ich auch in meinem Privatleben, wenn es etwas unter Freunden zu organisieren gibt. Dann bin ich oft diejenige, die sagt, wir müssen noch dieses oder jenes machen. Dabei kann ich mich voll und ganz ausleben. Also Planung macht mir Spaß, vor allem wenn sie erfolgreich ist.
R. Jürgens-Pieper: Gibt es Momente, an die Sie sich besonders gern erinnern?
P. Glaser: Ja, es gibt solche Momente, an die ich mich besonders gern erinnere. Vor allem an die vielen strahlenden Gesichter oder wenn die Kinder auch hinterher stolz über ihre Preise und ihre Ehrungen erzählen.
Besonders schön ist es natürlich, wenn man Lob kriegt und hinterher alle kommen und sagen, dass war ein tolles Fest. Oft hören wir, dass unser Kinderfest noch so schön gemütlich und familiär ist. Außerdem loben sie unseren Platz, weil man anders als in anderen Dörfern, die Kinder allein auf den eingezäunten Platz schicken kann. Als Organisatoren können wir auch gut den Überblick behalten und die Eltern können ganz entspannt sein, wenn sie ihre Kinder laufen lassen. Viele Kinder kennt man eben und bisher kamen sie alle wieder, da ist keines verloren gegangen. Solche positiven Rückmeldungen kommen von ganz vielen Eltern und Einwohnern. Sie freuen sich, dass wir das Kinderfest aufrechterhalten.
In solchen Momenten nach dem Kinderfest ist man in einem Hochgefühl und in einer Euphorie. Der Adrenalinspiegel ist nach einem solchen Tag besonders hoch, so dass die Freude auf das nächste Mal sofort beginnt, aber natürlich auch die Erleichterung, erst einmal ein halbes Jahr Ruhe zu haben.
R. Jürgens-Pieper: Gibt es denn auch schwierige Momente, in denen etwas misslingt oder besser laufen könnte?
P. Glaser: Ich habe bisher kein völliges Misslingen erlebt. Natürlich gibt es Momente, wo es schwierig ist, zum Beispiel alle zusammen zu trommeln oder Termine zu vereinbaren. Manchmal kommt eben das Leben dazwischen und alle sind irgendwie mehr mit ihren Familien oder der Arbeit beschäftigt. Das macht es dann schwierig, alle unter einen Hut zu kriegen. Oft ist ganz schön viel hinterher zu telefonieren und nachzuhaken, ob erteilte Aufgaben erledigt wurden. Es ist eben freiwillige Arbeit in der Freizeit. Das Leben mit Kindern erfordert häufig andere Prioritäten als die ehrenamtliche Arbeit.
Aber durch klare Einteilungen und unsere neuen Pläne haben wir das in den letzten Jahren ganz gut im Griff und sind schneller und effizienter geworden. Der Zeitaufwand ist deutlich geringer geworden, weil jeder weiß, was seine Aufgaben sind. Darauf sind wir auch ein bisschen stolz.
R. Jürgens-Pieper: Welche Unterstützung gibt es denn durch die Gemeinde oder die Nachbarn oder die Freunde für das Kinderfest? Gibt es Hilfestellung bei Schwierigkeiten ?
P. Glaser: Der Bürgermeister ist immer da, wenn wir Fragen haben, wenn irgendetwas ansteht, wenn wir irgendetwas Rechtliches klären müssen. Außerdem ist er grundsätzlich beim Kinderfest mit seinem Kran dabei und unterstützt uns so mit seinen Kranfahrten. Die Gemeindearbeiter sind immer da und mähen vorher fleißig Rasen und bringen uns die Bänke. Also da haben wir ganz viel Unterstützung. Auch die Feuerwehr ist immer an unserer Seite und wir stimmen uns mittlerweile ganz gut und ganz eng ab. Wir sind da immer im Austausch. Nur so kann das Fest wirklich gelingen, wenn alle Hand in Hand arbeiten.
R. Jürgens-Pieper: Es ist also ein richtiges Unterstützungsnetzwerk mit dabei ?
P. Glaser: Genau, es ist tatsächlich ein ziemlich großes Projekt und viele Menschen, Vereine und Organisationen, die da irgendwie zusammenarbeiten müssen.
Für unsere interne Organisation ist viel tun, weil wir viele kleine Stände haben und viele Menschen brauchen, die diese betreuen. Außer den extern vergebenen Hüpfburgen machen wir die Stände mit der Tombola, dem Schminken, dem Basteln, dem Kletterbaum, das Taubenstechen, das Tonnenabschlagen und den Kuchenverkauf ja selbst. An jeder Station müssen mindestens 2 bis 3 Menschen sitzen und dadurch kommt einfach ein hoher Bedarf an Manpower zusammen. Im gesamten Team sind wir aktuell 15 Damen in der festen Organisation, am Tag des Kinderfestes kommen nochmal ca. 15 -20 freiwillige Helfer aus dem Dorf dazu.
R. Jürgens-Pieper: Gibt es Elemente, die Sie beim Kinderfest ergänzen möchten?
P. Glaser: Mit dem Kinderfest an sich sind wir im Moment fein. Da haben wir in den letzten Jahren so viel neu aufgestellt, modernisiert, aber auch alte Traditionen, wie den Festumzug zurückgeholt. Da sehe ich kaum zusätzlichen Veränderungsbedarf. Den Festumzug wünschen wir uns noch ein bisschen größer oder mit mehr Beteiligung.
Das Dorf macht auch genügend mit, was den Schmuck und andere Dinge, wie die Kuchen- oder Geldspenden, angeht. Den Festumzug mussten wir kurzfristig ein bisschen umdisponieren, weil es von der Amtsseite ein paar Sicherheitsbedanken gab. Da sollte der Duchgangsverkehr nicht so lange gesperrt werden. Deshalb ging der Umzug dieses Jahr durch die Hafenstraße, das war genauso nett. So hatten wir einen schönen Boddenblick.
Wir hadern ein wenig mit unserer Abendveranstaltung. Ursprünglich war das ja immer am Freitagabend als Lagerfeuer . Aufgrund der Waldbrandgefahr durften wir das Lagerfeuer aber zumeist nicht durchführen und mussten uns was anderes einfallen lassen. Wir hatten schon einen Lasershow, einen Trommelabend oder Livemusik. Diese Jahr haben wir es dann mal auf den Samstagabend verlegt, weil sich der Zuspruch freitags in den letzten Jahren in Grenzen hielt, der Aufwand für uns aber recht hoch war. Deshalb haben wir dieses Jahr versucht, alles auf einen Tag zu packen mit Party- und Tanzabend . Aber auch damit hadern wir eben noch, ob sich Aufwand und Nutzen lohnen.
Viele Eltern sind wohl froh, am Samstag nach dem Kinderfest nach Haus zu gehen. Viele von uns selbst auch, weil es ein langer anstrengender Tag war. Deshalb ist das noch eine Sache, bei der wir uns gerade noch sortieren und beraten müssen.
R. Jürgens-Pieper: Was ist jemandem zu raten, der überlegt, ob er sich für das Kinderfest engagieren soll? An wen kann er sich wenden?
P. Glaser: Wer beim Kinderfest mitmachen will, soll sich einfach bei mir melden oder jemanden ansprechen, der mitmacht. Man kennt ja meistens immer irgendwen. Also wir brauchen immer Unterstützer und geben gern zum Einstieg erst mal kleine Aufgaben. Zum Beispiel kann derjenige einfach mal zwei Stunden das Taubenstechen betreuen. Das ist nicht mit viel Aufwand und viel Verantwortung verbunden. So kann man einfach reinschnuppern und entscheiden, ob man das mag. Wir sind auch bei Facebook, da kann man auch gerne schreiben, wenn man helfen will. Einzige Bedingung ist, dass man 16 Jahre alt ist. Wir sind ansonsten bunt aufgestellt.
Willkommen ist uns jeder, besonders wenn er eine Idee hat
und ausprobieren will, ob sie sich umsetzen lässt!


















